1948 beendete George Orwell seinen letzten Roman, der ihn weltberühmt machen sollte. Zwei Jahre später starb der umstrittene Autor und Sozialist mit 46 Jahren in London an einer Lungenblutung: sowohl vom britischen Geheimdienst argwöhnisch beobachtet wegen mutmaßlicher landesverräterischer Absichten und kommunistischer Umtriebe, als auch von prosowjetischen Kräften abgelehnt wegen seiner unverhohlenen Kritik an jeglicher Form totalitärer Herrschaft.
Der Roman „1984“ handelt von dem quasireligiösen Willen zur Erlangung totaler Macht, hinter dem sich das an Selbstüberschätzung kaum zu überbietende Bedürfnis Einzelner nach gottgleicher Unsterblichkeit verbirgt. Im Namen von „Big Brother“, einer nicht greifbaren, allwissenden Autorität, errichten selbsternannte „Priester der Macht“ eine Welt, in welcher Menschen dazu gezwungen werden, ihr individuelles Wollen, Lieben und Begehren, ihre eigenen Interessen, ihre persönliche Neugier und Kreativität komplett aufzugeben.
Als einer der ersten in der Moderne beschrieb Orwell die grundsätzlichen Methoden, die der Errichtung und vor allem auch dem Erhalt einer totalitären Herrschaft dienen. Weit mehr als um Unterwerfung durch Strafe geht es um Kontrolle der Gedanken, des Bewusstseins und Begehrens der Menschen. Es gilt die Unterdrückung jeglicher individuellen Freiheit nicht nur widerstandslos zu akzeptieren, sondern zu lieben.
Der belgische Regisseur Luk Perceval konzentriert sich in seiner Bearbeitung auf die widerständige, erotische Kraft zweier Liebender, Julia und Winston, die diesem System die Stirn bieten.
Regie | Bearbeitung | Luk Perceval |
Bühne | Philip Bußmann |
Kostüme | Ilse Vandenbussche |
Musik | Rainer Süßmilch |
Licht | Rainer Casper |
Dramaturgie | Sibylle Baschung |
Mit | Paul Herwig Gerrit Jansen Oliver Kraushaar Veit Schubert Pauline Knof Ella Kastner Hannah Rogler Franziska Winkler Annunziata Matteucci Philippa Otto |